Autor: Anarchistische Tage Potsdam
A-Tage 2026: 14.05. – 17.05

Vom 14. – 17. Mai finden erneut die Anarchistischen Tage Potsdam statt. Das verlängerte Wochenende soll uns wieder Zeit geben, über das Utopische nachzudenken. Die Utopie – eine Denkfigur die derzeit sehr fern scheint, bei all den Kriegen, Krisen und Konflikten die uns umgeben. Ist der Kollaps unabwendbar? Werden wir mit dem Techfaschismus enden, oder der Klimakatastrophe? Es bedarf neuer, anarchistischer Ansätze, die vielleicht gar nicht so neu sind. Während der A-Tage Potsdam wollen wir mit dem Konzept des Anarchafuturismus experimentieren: Wie gegenwärtig sind Konzepte, Denkweisen und Handlungsansätze der Zukunft? Wie werden wir essen, wohnen, leben und welche Apsekte davon sind schon längst gegenwärtig? Kann uns die Vergangenheit in der Zukunft endlich nützen? Ist nicht auch die Gleichwertigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein anarchistisches Denkkonzept und Handlungsmodell?
Wir haben ein vielseitiges Programm zusammengestellt, welches sich dieser Fragen annimmt.
Während der A-Tage bieten wir Kinderbetreuung und Schlafmöglichkeiten an. Bei Nachfragen schreibt uns an: atagepdm@riseup.net
Unsere Vorstellung des Anarchafuturismus:
Wir sind davon überzeugt, dass herrschaftslose Gesellschaftsordnungen unter allen möglichen materiellen Bedingungen entstehen und überdauern können. Anarchist*innen haben also keine Veranlassung, auf den Kollaps zu warten, noch ihn zu fürchten. Wie immer wird unsere Utopie jedoch informiert sein von unserer Topie – unsere Entwürfe für die Aneignung der menschlichen Zukunft entspringen dem Verwerfen der konkreten Zustände, die uns umgeben.
Wir nehmen antiautoritär-sozialistische Perspektiven auf die unmittelbare und entfernte Zukunft ein, in der Polykrisen nicht den Fluchtpunkt, sondern den Ausgangspunkt darstellen. “The world doesn’t end with a bang, it winks out, unravels, gradually falls apart” (Mark Fisher). Von hier aus formulieren wir Absichten: Die Menschen haben sich mehrheitlich freiheitlichen und lebenswerten Prinzipien zugewandt und die kalten, patriarchalen Zwänge und Gewaltfantasien ihrer Ahnen begraben sie täglich aufs Neue; die Suche nach praktischen Antworten auf Ressourcen-, Technologie- und Nachhaltigkeitsfragen und ihrem theoretischen Fundament wird im Sinne der Selbstverwaltung geführt.Anarchafuturismus möchte die ungeheure menschliche Gestaltungskraft entfalten, der es obliegt, aus dem Hier und Jetzt etwas ganz anderes zu errichten, dessen Triebkräfte nicht Herrschaft und Ausbeutung, sondern freier Zusammenschluss und Gegenseitige Hilfe sind. Dabei machen wir nicht den Fehler, dass die Zukunft, auf die wir blicken, als eine prästabilierte Harmonie, ein “Ende der Geschichte” auftritt oder durch die Vergangenheit als prädestiniert und vorgeformt angenommen wird. Stattdessen sind wir uns einer besonderen Stärke bewusst: Anarchismus ist Revolution in Permanenz.
A-Tage 2025: Programm
Save the date: A-Tage 2025

Nachholtermin Vortrag & Diskussion: Der Especifismo – Die spezifisch anarchistische Organisation
Samstag, 20.07.2024
18:00 Uhr, KuZe Theatersaal
ca. 120 Minuten
Kein Vorwissen nötig!
Perspektive Selbstverwaltung (PS) ist eine anarchistische Organisation, die sich Mitte 2019 gegründet hat. Wir sehen die Probleme dieser Erde und unseres Alltags sich häufen: sei es die Wohnfrage, Bildung, Ökonomische Ungleichheit, die Zerstörung des Planeten, gesellschaftliche Vereinzelung oder, ganz aktuell, ein kaputt gespartes Gesundheitssystem. Wir denken, der Ursprung von alldem sind die Werte und die Logik des sozialen, politischen und ökonomischen Systems in dem wir leben.
Im Vortrag geht es um die anarchistische Strömung des Especifismo. Wir stellen die Entwicklung organisatorischer Ansätze im Anarchismus vor, mit dem Especifismo als Ergebnis einer Reihe historischer Lektionen. Was sind die Zielsetzungen und Organisationsprinzipien especifistischer Projekte? Was hat es mit der Methode der sozialen Einfügung auf sich? Und wo liegen die Unterschiede zu autoritären sozialistischen Strömungen?
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Der KuZe Theatersaal ist barrierefrei zugänglich, es gibt außerdem ein barrierefreies Bad.
Bei Fragen wendet euch gerne an uns: atagepdm[at]riseup.net
Zur Veranstaltung der Anarchistischen Tage Potsdam mit Perspektive Selbstverwaltung Berlin
Solltet ihr Nachfragen oder Anmerkungen zu unseren Veranstaltungen haben, schreibt uns eine Mail an atagepdm[at]riseup.net
Am 23.05.24 haben wir die Veranstaltung mit Perspektive Selbstverwaltung (PS) kurzfristig abgesagt. Dies geschah aufgrund von Outcalls der Potsdamer Gruppe ‘Gegen jeden Antisemitismus’ (GJA-Pdm) und dem daraus resultierenden Druck, sich als A-Tage Orga-Gruppe dazu zu positionieren.
GJA-Pdm kritisierte das am 05.05.24 veröffentlichte Statement von Perspektive Selbstverwaltung Zu Palästina und Israel als ‘strotzend vor Antisemitismus’ und fand es ‘untragbar’, dass eine Veranstaltung mit PS stattfinden sollte. Uns war das Statement bekannt und wir sahen darin keinen Grund, den geplanten Vortrag mit PS zum Thema Especifismo abzusagen.
Dennoch entschieden wir uns dazu, den Vortrag nicht stattfinden zu lassen. Aufgrund des öffentlichen Outcalls wünschten sich einige im Kollektiv mehr Zeit für Besprechung der Kritik, gegenseitige Fürsorge und den Erhalt des gemeinsamen Diskursraums. Auch erschien es einigen nicht mehr möglich, die Veranstaltung in einem für PS, für die Besucher*innen und für uns tragbaren Rahmen durchzuführen.
Nach Gesprächen sind wir uns nun in zwei Dingen einig:
- Der Vortrag zu Especifismo mit PS soll nachgeholt werden.
- Wir sind unzufrieden und wütend über den Prozess, der zur Absage führte.
Wir möchten uns zuerst bei den Genoss*innen von PS und aus dem konte[:x]t für ihre solidarische, vertrauensvolle, offene Kommunikation bedanken. Wir organisieren einen baldigen Nachholtermin für den Vortrag zu Especifismo.
Als Teil der linken Szene Potsdams wünschen wir uns einen diskursfähigen Umgang unter Genoss*innen. Das heißt: möglichst direkt adressierte Kritik, gerne mit Nachfragen, je nach Wohlwollen mit einem gewissen Vertrauensvorschuss. Wir begrüßen Kritik und finden sie essentiell für gute politische Praxis. Wir lehnen allerdings unverhältnismäßige Eskalationsschritte von 0 auf 100 wie kurzfristige öffentliche Outcalls ab, die mit sozialen Druck und Angstmacherei arbeiten, statt konstruktiv und funktional aufeinander zuzugehen. Outcalls können einen angemessenen Umgang darstellen, aber in diesem konkreten Fall sehen wir nicht ein, warum es das erste und einzige Mittel der Wahl blieb.
Mit den (A)-Tagen wollen wir gerade einen Raum zum Austausch ermöglichen. Eine Veranstaltung zu einem spezifischen Thema, von einem anderen Konflikt vereinnahmen zu lassen, widerspricht allerdings unserem Bild einer Diskursbereitschaft innerhalb der Linken.
Wir lehnen es ab, das Statement von PS aufgrund von Interpretationsspielräumen und Befindlichkeiten gegenüber Begrifflichkeiten als antisemitisch zu bezeichnen. Wir nehmen dennoch jeden Antisemitismusvorwurf ernst – gleichzeitig weigern wir uns die Definition von Antisemitismus einer konfliktunfähigen pro-israelischen bzw. anti-deutschen Deutungshoheit oder den Rechten und Liberalen zu überlassen.
Als Anarchist*innen ist unsere Position eindeutig: wir streben nach Freiheit, Selbstbestimmung und ein sicheres, würdiges, gutes Leben für alle. Wir sehen keinerlei Widerspruch in der Solidarität mit Palästinenser*innen und mit Jüdinnen*Juden, egal welcher Staatsbürgerschaft oder Glauben. Allerdings verdienen dabei weder Staat, Nation noch Kapital Zugeständnisse, sondern müssen auf allen Ebenen bekämpft werden. Wir stellen uns somit gegen jede Form der Herrschaft, Unterdrückung und Krieg – für eine freie Zukunft, für den Anarchismus!
Programm (A)-Tage 2024
Vorprogramm:
Fr, 03.05.2024 – 19:00 Uhr
Tresen und Film mit der Freien Anarchistischen Gruppe [FAG]
@ KuZe Kneipe
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Programm:
Fr., 17.05.2024 – 19:30 Uhr
Eröffnungsvortrag: Als Anarchist vor 100 Jahren
Gustav Landauer Initiative
@ Buchladen Sputnik
Do., 23.05.2024 – 19:00 Uhr – FÄLLT AUS
Vortrag & Diskussion: Der Especifismo
Perspektive Selbstverwaltung Berlin
@ Bibliothek konte[:x]t
Fr., 24.05.2024 – 19:00 Uhr, im Anschluss KüfA
Vortrag: Die Welt verändern – mit radikalen Gewerkschaften
Sektion Grüne Gewerke FAU Dresden
@ KuZe Theatersaal
Sa., 25.05.2024
Empfehlung: Hausfest Charlottenstr. 28
So., 26.05.2024 – ab 18:00 Uhr
Info-Abend & KüfA mit Food Not Bombs Berlin und FAU Cottbus
@ Hotel Havelblick
Di., 28.05.2024 – 19:00 Uhr, im Anschluss KüfA
Vortrag: Medienarbeit als Direkte Aktion
A-Radio Berlin
@Hotel Havelblick
Do., 30.05.2024 – 19:00 Uhr, im Anschluss KüfA – FÄLLT AUS
Livestream: Book Presentation »Means and Ends«
Zoe Baker
@ KuZe Theatersaal
Fr., 31.05.2024 – 18:00 Uhr
Budapest Calling – Antifas in Haft und auf der Flucht
BASC – Budapest Antifascist Solidarity Committee
@ Zeppi
Sa., 01.06.2024 – 19:00-20:30 Uhr
Abschlussvortrag: Chaos statt UnterOrdnung – Harmonie durch Anarchie
@ Buchladen Sputnik
SAVE THE DATE! (A)-Tage 2024 → 17. Mai bis 01. Juni
Was sind die anarchistischen Tage?
In erster Linie eine Gelegenheit für Anarchist:innen und Sympathisant:innen, einander kennen zu lernen und sich gegenseitig zu bilden. Dafür haben wir ein Programm mit Vorträgen und Diskussionen entworfen.
Wozu sind die anarchistischen Tage gut?
Wir wollen anarchistische Perspektiven, Handlungs- und Organisierungsmöglichkeiten sichtbar machen. Durch die Veranstaltungen soll eine Grundlage für das Forschen nach herrschaftsfreier Praxis geboten werden. Sichtbarkeit und Plattformen für Anar- chist*innen fehlen unserem Eindruck nach in Potsdam, dabei bil- den sie eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Anarchismus irgendwann mal wieder gesellschaftsverändernde Kraft entwickeln kann.
Wenn Ihr Fragen oder Ideen zu den A-Tagen habt, schreibt uns: atagepdm@riseup.net


